22. Juli 2015  —  Einrichtungsteam Katzmaier

Das Einrichtungsteam Katzmaier lud die Lehrer- und Lehrerinnen der HS Reichenthal ein und zeigte die Vielseitigkeit des Tischlerberufes.  „Wir Tischler sind mehr als nur Möbelmacher und es ist uns ein großes Anliegen das Image des Lehrberufes ins rechte Licht zu rücken“, so Rita Katzmaier.

Die Zusammenarbeit der Hauptschule Reichenthal mit der Wirtschaft im Ort funktioniert schon Jahre vorbildhaft. Betriebsbesichtigungen und Exkursionen in die einzelnen Betriebe werden von den Lehrkräften und Unternehmern jedes Jahr wieder organisiert und bereichern den Unterricht. Wir Unternehmer greifen solche Termine immer wieder gern auf, damit wir unsere Berufe den Schülern und Schülerinnen näher bringen können.

Trotzdem kämpfen wir Tischlereien seit Jahren damit, dass die Zahl der Lehrstellensuchenden immer weniger wird. Dabei sind wir doch mit unserem Job so glücklich: abwechslungsreich, vielseitig, tolle Werkstoffe, … ABER: Warum will keiner mehr eine Tischlerlehre machen???

Aus diesem Grund hat Rita Katzmaier Jugendliche befragt. Die Antwort lautete: „Da muss man schwer heben und man verdient wenig.“ Warum wird den Schülern und Schülerinnen eingeredet: „Geh in eine höhere Schule, da hast du mehr davon!“

Wird der Tischler heutzutage noch immer mit Meister Eder und seinem Pumuckl assoziiert? Das  Schreinermeister-Eder-Image mit der blauen Arbeitsschürze und der verstaubten Werkstätte gehört doch längst der Vergangenheit an und kann doch nicht wirklich mehr für den Tischler im Jahre 2015 stehen. Ernüchternd stellen wir leider fest, dass da noch große Aufklärungsarbeit geleistet werden muss.

Der Beruf des Tischlers hat sich in den letzten Jahrzehnten um 180° gewendet. Das Wissen eines guten Tischlers beinhaltet Grundkenntnisse von Tätigkeiten aus über 14 anderen Berufen:

Es beginnt mit dem ersten Besuch beim Kunden zum Ausmessen. Eine besondere Rolle spielt die Radiästhesie, speziell in Schlafräumen. Wasseradern, Magnetfelder & Co. machen uns das Wohnen oft zur Hölle. Der geschulte Tischler weiß diese zu erkennen und Lösungen zu finden.

Bei der folgenden Planung kommt der Tischler als Innenarchitekt ans Werk. Ideen, Design und Materialien – alles optimal aufeinander abgestimmt.

Während der Planung stellt sich oft die Frage, ob es nicht besser wäre, wenn  die eine oder andere Wand heraus bzw. versetzt gehört? Hier sind dann Kenntnisse eines Bauarbeiters nötig.

Statiker – Trägt  es oder nicht? Oft können wir schon im Vorhinein Tipps geben.

Auch mit dem  Thema Wasser- und Leitungen werden wir ständig konfrontiert: Wie hoch ein Wasseranschluss gesetzt werden muss. Wo ist ein Heizkörper empfehlenswert.  Ein Basiswissen das einfach jeder Tischler mitbringt.

Elektriker – auch in diesem Bereich wird viel von uns Tischlern vorausgesetzt: Wo & Welche Installation? „Und könnten sie nicht auch gleich alle Lampen und Steckdosen anschließen, Herr Tischler?“

Fliesenlegen: Was geht uns was geht nicht? Wie und wo machen wir den Übergang bei den Fliesen?
Welchen Untergrund bereiten wir dem Fliesenlegerfachmann vor, damit er bestens weiterarbeiten kann?

Viele Böden werden auch vom Tischler verlegt, nicht nur Holzparkett. Da sind wir auch schon beim Bodenleger gelandet.

Wir Tischler fungieren ebenso als Maler – und Farbberater. Welche Farben passen zum jeweiligen Vorhaben? Welche Farben zum Kunden der darin wohnt und sich wohl fühlen soll? Und welche Putz-und Malertechniken können hier kreativ eingesetzt werden? Laufend sind in diesem Bereich Schulungen notwendig.

Beleuchtungs-, Ton- und Fernsehtechnik: Unglaublich viel hat sich in den letzten Jahren hier getan! Ganz gleich welche Lampe dann endgültig über dem Esstisch hängt, oder welches Soundsystem gekauft wird – wir Tischler bereiten die passende Vorinstallation und sind dem Kunden eine Orientierungshilfe.

Akustik-, Klima- und Lüftungstechnik: Ohne den geht’s auch nicht mehr. Gerade die modernen und geraden Bauten mit Glas stellen uns Tischler vor eine neue Herausforderung. In erster Linie betrifft dies oftmals die Raumakustik. Der Tischler bietet Hilfe bei unangenehmem Hall und kann die Akustik nachhaltig verbessern.

Intelligente Haussteuerungen werden  komfortabel und stilvoll ins Interieur integriert. Kenntnisse eines Haussteuerungstechnikers sind unentbehrlich!

Und nun nicht zu vergessen der Tischler selber! Er zaubert mit modernsten, computergesteuerten Maschinen in rationellster Zeit edelste Einzelstücke.

Ist der Raum oder das Haus nun fertig möbliert, dann kommt noch der Beruf des Dekorateurs ins Spiel um dem Ganzen noch eine besondere Individualität zu verleihen.

„And last but not least“ der Restaurateur! Das gute Erbstück von Oma braucht  einen neuen Glanz.

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Das meinen wir, wenn wir sagen: Wir Tischler sind mehr als nur Möbelmacher!

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